Baden in Japan ist ein Ritual, das man dort sehr ernst nimmt. Wir empfehlen jedem Besucher, es selbst zu erleben, denn es ist entspannend und wohltuend für Körper und Geist. Am Anfang kann es etwas einschüchternd wirken, aber dieser Leitfaden erklärt dir genau, was dich erwartet und was du tun solltest, damit du dich sicher und wohl fühlst.
Jeder, der schon einmal in Japan war, wird dir sagen, dass ein Onsen-Erlebnis unbedingt dazugehört. Das Problem ist nur, dass viele zum ersten Mal Reisende nicht wirklich wissen, was ein Onsen ist oder warum er so besonders ist. Onsens sind wunderschön, von Natur umgeben und wirken so beruhigend und einladend – warum also sagen so viele, dass man sich vor dem Baden an strenge Regeln halten muss? Sollte es nicht so einfach sein, in eine mit Wasser gefüllte Badewanne zu steigen?

Was ist ein Onsen?
Onsen ist das japanische Wort für heiße Quelle. Es wird so geschrieben: 温泉
温 = warm/heiß
泉 = Quelle/Brunnen
In Japan bezeichnet Onsen meist ein natürliches geothermisches Thermalbad, oft in einem Ryokan oder einer öffentlichen Badeeinrichtung. Japan ist dank seiner Lage am Pazifischen Feuerring mit unzähligen natürlichen heißen Quellen gesegnet. Außerdem gibt es sehr viele verschiedene Arten natürlicher heißer Quellen.
Einfache Quelle — mild, geringer Mineralgehalt
Chloridquelle — salzhaltig; hilft, die Wärme auf der Haut zu halten
Kohlensäurequelle — sprudelnd; wird mit der Durchblutung in Verbindung gebracht
Hydrogencarbonatquelle — wird oft als „Schönheitsbad“ bezeichnet, weil sie die Haut weich wirken lassen kann
Sulfatquelle — mineralreich; wird oft für regenerierende Bäder genutzt
Eisenquelle — rötlich-braunes Wasser durch den Eisengehalt
Schwefelquelle — starker „Ei“-Geruch; klassischer vulkanischer Onsen
Saure Quelle — starkes Wasser, meist nur für kurzes Baden geeignet
Radioaktive Quelle — enthält Spuren von Radon/Radium; nicht so häufig
Jodquelle — enthält Jod, oft gelblich oder bräunlich
Neben den Mineralien im Wasser gibt es auch verschiedene Arten von Onsens je nach Umgebung, zum Beispiel Innenbäder, Außenbäder namens Rotenburo, Privatbäder, öffentliche Bäder, Fußbäder und mehr.

Warum Japaner Onsens lieben
Das mineralreiche Wasser hat jeweils ganz eigene Vorteile für Haut und Muskeln. Darüber hinaus sind heiße Quellen in Japan meist als wunderschöne Anlagen gestaltet, in denen du die Natur genießen kannst.
Seit Hunderten von Jahren nutzt Japan diese natürlichen Quellen und verwandelt sie in malerische Rückzugsorte mitten in der Natur – mit Blick auf Wälder, Berge oder das Meer.
Oft sind sie mit Ryokans verbunden, in denen du ein entspanntes Wochenende verbringen kannst, bei dem rundum für dich gesorgt ist: mit mehrgängigen Menüs, Tatamiböden, gemütlichen Tatami-Zimmern, wunderschönen Gärten, Yukata zum Wohlfühlen und natürlich heißen Bädern.
Das Leben vieler Japaner ist sehr arbeitsintensiv und vom Beruf geprägt. Deshalb ist ein Ausflug in die Natur für ein entspannendes Wochenende mit einem Bad im Onsen und Waldblick die beste Medizin. Als ausländischer Tourist kannst du das genauso erleben. Hier erfährst du, wie es am besten geht.
So badest du in einem Onsen
Als ausländischer Tourist in Japan bist du herzlich eingeladen, japanische Onsens genauso zu genießen wie alle anderen auch. Ryokans mit Onsen freuen sich über internationale Gäste und heißen sie willkommen. Das Baden in einem Onsen ist einfach – du musst dir nur diese wenigen einfachen Regeln merken und sie befolgen.
1. Geh in den Bereich für dein Geschlecht

Onsens sind zu deinem Komfort nach Geschlechtern getrennt. Rot ist normalerweise für Frauen und Blau für Männer. Meist gibt es auch englische Beschilderung, sodass klar erkennbar ist, welcher Bereich zu welchem Geschlecht gehört.
2. Zieh dich komplett aus

Zieh deine Hausschuhe aus und stelle sie ins Regal. Es gibt einen Umkleidebereich mit Regalen für deine Sachen. Zieh dich vollständig aus. Normalerweise trägst du zu diesem Zeitpunkt einen Yukata, den dir das Ryokan zur Verfügung stellt. Falls du jedoch einen öffentlichen Onsen in den Bergen besuchst, achte unbedingt darauf, dich komplett auszuziehen. Ja, auch die Unterwäsche. Badebekleidung oder andere Textilien sind nicht erlaubt. Bitte nimm außerdem ein Haargummi für deine Haare mit.
3. Geh zum Duschbereich

Bevor du den Onsen betrittst, wasche deinen Körper gründlich an einem der Duschplätze. Dort findest du normalerweise einen kleinen Hocker, einen Eimer, eine Handbrause sowie Seife und Shampoo. Setz dich hin, nimm dir Zeit und reinige dich gründlich, auch indem du Make-up entfernst. Es ist wichtig, dich vollständig abzuspülen, damit keine Seife und kein Shampoo ins Badewasser gelangen.
Wenn du sauber bist, gieße etwas heißes Wasser über deinen Körper, bevor du ins Bad steigst. Das nennt man Kakeyu. So kann sich dein Körper an die Temperatur des Onsens gewöhnen und das Einsteigen ins heiße Wasser wird viel angenehmer. Viele Onsens haben dafür direkt am Eingang ein kleines Becken.
4. Geh in den Onsen

Nimm ein kleines Handtuch mit in den Onsen-Bereich, aber lass es nicht mit dem Thermalwasser in Berührung kommen. Die meisten falten es entweder zusammen und legen es sich auf den Kopf oder lassen es am Rand des Beckens liegen, während sie baden. Wenn du lange Haare hast, binde sie vor dem Betreten zusammen, denn auch Haare sollten das Wasser niemals berühren.
Geh in den Onsen und genieße es. Du kannst so lange baden, wie du möchtest, aber denk daran, dass manches Wasser sehr heiß ist und dir etwas schwindelig werden kann. Wenn du aus dem Wasser steigst, halte dich an den Geländern fest. Genieße beim Baden die Natur und ihre Geräusche in aller Ruhe und Stille. Lass dir Zeit.
Viele Ryokans haben Innen- und Außen-Onsens. Probier beides aus. Es hat zum Beispiel etwas ganz Besonderes, einen Außen-Onsen zu erleben, während es schneit.
Was sollte ich über das Baden in Japan wissen?
Bitte beachte, dass Handys im Onsen-Bereich nicht erlaubt sind. Tätowierungen gelten in Japan noch immer oft als Tabu, deshalb solltest du die Tattoo-Richtlinien des Ryokans oder Onsens im Voraus prüfen. Zum Glück gibt es viele tattoo-freundliche Ryokans.
Wo kann man einen Onsen besuchen?

Einen Onsen kannst du fast überall in Japan besuchen, aber einige Regionen sind besonders berühmt für ihre heißen Quellen. Hakone gehört zu den beliebtesten Zielen, weil es nah an Tokio liegt und wunderschöne Ryokans mit Bergblick bietet. Kusatsu Onsen ist ebenfalls sehr bekannt für sein stark mineralhaltiges Wasser, während Beppu für seine vielen unterschiedlichen Bäder und Onsen-Erlebnisse bekannt ist.
Wenn du etwas besonders Landschaftliches suchst, halte Ausschau nach Onsen-Orten in den Bergen, am Meer oder mitten im Wald. Die Umgebung ist ein großer Teil des Erlebnisses. Ein einfaches Bad wird zu etwas ganz Besonderem, wenn du draußen im heißen Wasser liegst und dabei auf Schnee, Herbstlaub oder neblige Berge blickst.
Wenn es dein erstes Mal ist, ist ein Aufenthalt in einem Ryokan mit Onsen wahrscheinlich die einfachste und angenehmste Art, das zu erleben. Das Personal hilft dir, alles ist für dich vorbereitet, und du kannst das volle Erlebnis mit Abendessen, Yukata, Tatami-Zimmern und einem ruhigen Bad vor dem Schlafengehen genießen.
Werden Tattoos wirklich nicht akzeptiert?

Tattoos können in manchen Onsens in Japan noch immer ein Problem sein. Der Grund ist, dass Tätowierungen traditionell mit der Yakuza in Verbindung gebracht wurden, weshalb einige öffentliche Bäder und Ryokans Gäste mit sichtbaren Tattoos weiterhin nicht zulassen.
Allerdings ändert sich das, vor allem weil Japan heute so viele internationale Besucher empfängt. Viele Onsens werden inzwischen lockerer, und manche sind vollständig tattoo-freundlich. Andere erlauben den Zutritt, wenn du dein Tattoo mit einem Pflaster oder Verband abdeckst. Bei einem kleinen Tattoo ist das meist leicht möglich.
Am besten informierst du dich im Voraus. Die meisten Ryokans und öffentlichen Onsens erwähnen ihre Tattoo-Regeln auf ihrer Website, aber wenn du dir nicht sicher bist, schick ihnen vor der Buchung einfach kurz eine Nachricht. Eine weitere tolle Möglichkeit ist, einen privaten Onsen zu buchen, einen sogenannten kashikiri buro, in dem du allein oder mit deinem Partner baden kannst, ohne dir Gedanken über andere Gäste machen zu müssen.
Ich fühle mich nicht wohl dabei, nackt zu sein
Das ist völlig normal, und vielen Besuchern geht es vor ihrem ersten Onsen genauso. Vor Fremden nackt zu sein, kann sich anfangs unangenehm anfühlen, besonders wenn du öffentliches Baden nicht gewohnt bist. Aber sobald du dort bist, wirst du schnell merken, dass dich niemand anstarrt. Alle sind dort, um sich zu waschen, zu baden, zu entspannen und die heiße Quelle zu genießen.
Die Atmosphäre ist meist sehr ruhig und respektvoll. Die Menschen bleiben für sich, sprechen leise und konzentrieren sich aufs Entspannen. Es wirkt nicht mehr unangenehm, sobald du verstanden hast, dass das in Japan ganz normal ist.
Wenn du dich trotzdem nicht wohlfühlst, buche einen privaten Onsen. Viele Ryokans bieten private Bäder an, die du für dich allein, als Paar oder als Familie reservieren kannst. So kannst du das Erlebnis wunderbar genießen, ohne dich unwohl zu fühlen.
Sind Onsens familienfreundlich?
Ja, Onsens können familienfreundlich sein, und viele japanische Familien besuchen Onsens gemeinsam. Kinder sind in der Regel willkommen, besonders in Ryokans und größeren Badeeinrichtungen. Gerade bei einer Übernachtung im Ryokan kann es ein sehr schönes Erlebnis für Familien sein.
Bitte denk aber daran, dass Onsens ruhige und entspannende Orte sind. Kinder sollten im Badebereich nicht planschen, schwimmen, rennen oder laut sein. Das Wasser kann außerdem sehr heiß sein, daher solltest du immer zuerst die Temperatur prüfen, bevor Kinder hineingehen. Sie sollten deutlich kürzer baden und bei Bedarf Pausen machen.
Für Familien mit kleinen Kindern ist ein privater Onsen oft die beste Wahl. Dort habt ihr mehr Platz, mehr Privatsphäre und weniger Stress, andere Gäste zu stören. Einige Ryokans haben auch Familienbäder, die speziell dafür gedacht sind.
